Fehlzündungen AU 1000 S Coupé

  • Hallo zusammen,


    mein AU macht seid ein paar Tagen Stress. Es fing an mit gelegentlichen "Pötsch- Geräusche" im Motorraum und endete zunehmend in konkreten Fehlzündungen.

    Vergaser ist tip top gereinigt. Zündkerzenstecker getauscht, Kabel getauscht. Zündkerzen ok.

    Habe der Reihe nach je einen Stecker entfernt und den Motor mit den verbleibenden laufen lassen. Die Fehlzündungen bleiben aus, wenn der Stecker des 3 Zylinders gezogen war.


    Meine Vermutung ist : Zündvereteiler, Zündkontakte, Kondensator defekt.


    Zündspule vermutlich nicht, weil ich bei zusätzlichem Test diese mitgetauscht habe. Der Fehler wandert also nicht mit.


    Was denkt ihr dazu?


    Gruß Achim

  • Hallo,

    Pötsch- Geräusche deuten normalerweise eher auf Spritmangel hin.

    Da Du aber schon herausgefunden hast, dass es an der Zündung des dritten (= vorderen) Zylinder liegt, müsste es jetzt relativ einfach zu finden sein. Wenn Du, wie Du schreibst, schon das Zündkabel, den Kerzenstecker, die Kerze und die Zündspule des 3. Zylinders ausschließt, öffne das Zündgehäuse, und prüfe den Unterbrecher des 3. Zylinders (am besten mit Lupe und Taschenlampe zu sehen). Vielleicht stimmt der Unterbrecherabstand nicht oder es ist dort verölt, so dass Funken überspringen.

    Ich würde auch noch mal eine neue Kerze und eine andere Zündsspule ausprobieren sowie alle Kabelverbindungen prüfen, ob nichts lose ist. Ist ja alles schnell gemacht.

    Viel Glück und besten Gruß,

    Oldimat

  • Hi,

    Habe gerade die Kontakte gereinigt. Es sieht so aus, als würde der Kontaktabstand zu groß sein.

    Wenn ich den eingestellt habe, werde ich die gesamte Zündung in der Werkstatt prüfen lassen. In jedem Fall scheint es wahrscheinlich "nur" an der Zündung zu liegen. Vergaser kann ich nach dem heutigen Test ausschließen.


    Danke und Gruß Achim

  • Mache Dich bitte mal vertraut mit den Begriffen "Zündzeitpunkt", "Kotaktabstand" und "Schließwinkel". Es gibt da Zusammenhänge, die man verstehen sollte, bevor man den Vergaser zerlegt. Kontaktabstand zu groß -> Schließwinkel zu klein -> Zündung zu früh


    Grundsätzlich:

    - einen defekten Kondensator erkennt man an starker Funkenbildung am entsprechenden Kontakt

    - das Kerzenbild sagt sehr viel über die Gemischaufbereitung aus

    - der DKW reagiert stark auf einen nicht korrekten Zündzeitpunkt

    - im Extremfall (zu früh) reskierts Du einen Schaden am Motor oder (zu spät) einen dramatischen Leistungsverlust


    Den Kontakabstand kann man mit der Fühlerlehre bestenfalls bei neuen Kontakten einigermaßen korrekt einstellen, besser ist eine Einstellung nach Schließwinkel. Dabei kann man dann auch gleich prüfen, ob dieser sich bei höheren Drehzahlen verändert. In diesem Fall sind die Federn des Zündkontaktes lahm und der Kontakt ist ein Fall für den Schrott. Wenn das dann alles stimmt, ist der Zündzeitpunkt für alle Zylinder auf 2,5mm vor OT einzustellen. Dazu ist das Fliehgewicht auszurücken, OT wird mit einer Messuhr ermittelt. Behelfsmäßig, aber mit ausreichender Genauigkeit, kann man auch 1,4 mm vor OT bei nicht ausgerücktem Fliehgewicht als Einstellwert nehmen. Begonnen wird mit Zylinder 2, nachdem die Grundplatte in Mittelstellung gebracht wurde.


    Wie hast Du denn die Kontakte gereinigt??? Die Nocken benötigen ein gutes Heißlagerfett, z.B. das Bosch Fett FT1V4, sonst sind die ratzfatz weggeschliffen. Folge: Kontaktabstand zu gering, dadurch Spätzündung.


    Ich hoffe, Deine Werkstatt kennt sich mit den Eigenarten des DKW aus, sonst frage lieber einen DKW- oder Wartburgerfahrenen Schrauber.

  • Vielen Dank für die Tipps.

    Gereinigt habe ich die Kontakte mit 400er Schmirgelpapier. Kontakt leicht geöffnet, Papier dazwischen und vorsichtig heraus gezogen. Das etwa 3x pro Kontaktseite.

    Danke für den Tipp mit dem Heisslagerfett.


    Zündkerzenbild rehbraun

    Keine auffällige Funkenbildung an den einzelnen Kontakten.

    Meine Werkstatt ist vertraut mit Oldtimerrestauration. Gern werde ich jedoch Deine Tipps weitergeben. Vielen Dank

  • Da auf der Schwungscheibe keine Markierungen vorhanden sind, ist eine Einstellung durch abblitzen nicht möglich, daher muss eine Messuhr mit Kerzengewinde Adapter vorhanden sein. Sollte Deine Werkstatt darüber nicht verfügen, würde ich davon abraten, diese zu beauftragen. Weitere Werkzeuge sind ein kleiner, flacher Maulschlüssel 5,5mm, ein langer Schraubendreher sowie ggf. das Hilfsmittes zum Ausrücken des Fliehgewichtes. Bei dieser Gelegenheit schadet es nicht, sich dieses Fliehgewicht und dessen Achse mal genauer anzuschauen und auf Verschleiß und Spiel zu prüfen. Dazu ist das Zündgehäuse zu demontieren. Bei der Wieredmontage ist dann etwas Gefühl geboten, der Mitnehmernocken ist aus Pertinax.


    Was ich sagen möchte: die Einstellung der Zündung ist kein Hexenwerk, aber etwas Basiswissen um die Eigenarten und exaktes Arbeiten sind schon man gute Voraussetzungen für den Erfolg. Im Werkstatthandbuch wird die Vorgehensweise beschrieben.

    Als DKW Fahrer sollte man sich mit dieser Arbeit vertraut machen, laut Wartungsvorschrift ist die Kontrolle alle 7500km vorgegeben.

  • Hallo,

    Bravo für Franz' Beiträge.

    Eine DKW- Zündeinstellung dürfte die meisten Oldtimer- Werkstätten überfordern, es ist zwar kein Hexenwerk, aber es ist anders als bei den üblichen Viertaktern. Wenn es da keinen DKW- oder Wartburg- Mann gibt, sollte man es besser selber machen. Ist sowieso besser, wenn man sich da nach Werkstatthandbuch einarbeitet.

    Also weiter viel Glück!

    Oldimat

  • Lese mich gerade in das Thema ein. Habe sowohl die WHBs aus dem Forum, als auch das Buch "Auto Reparaturanleitung DKW". Das ist zwar schon recht hilfreich. Da ich sehr viel dazulerne, bin aber sehr froh über Deine vielen Tipps. Ich habe vor, mir die Zündeinstelllehre selbst zu kaufen.

    Mit Sicherheit werde ich noch die ein oder andere Frage haben.

    Danke vielmals für deine Hilfe.

    Gruß Achim

  • In der Sache habe ich eine Verständnisfrage. Im WHB (elektrische Ausrüstung Seite 15) steht, dass der erste Zylinder der kupplungsseitige ist. In vielen Definitionen wird geschrieben, dass bei deutschen KFZ der erste Zylinder gegenüber der Kraft abgebenden Seite liegt.

    Vielleicht habe ich da jetzt einen Denkfehler. Der Zylinder, der am Lüfterrad liegt, ist für mich der dritte.

    Danke für eure Geduld 😉


    Gruss Achim

  • ( Hinweis Seite 36 )



    Schaue dir dieses Video an, hier erfährst du welche Funktion die einzelnen Schrauben haben.

    Die Kontaktplatte ist identisch, die des 1000ers , Die Munga- Zündbox ist etwas anders Aufgebaut.


    VG

    Heinz

  • Vielen Dank. Der Preis erscheint mir günstig. Bei dem Preisunterschied hätte ich den günstigen nicht gekauft. DKW Klose ruft dafür 89€ auf. Sehr gut zu lesen, dass du damit zufrieden bist.

  • Diese Messuhr ist völlig ausreichend, aber unbedingt notwendig. Geh nach Werkstatthandbuch vor, dann kann eigentlich nichts schiefgehen. Nur die Einstellung des Kontaktabstandes ist exakter mit einem Schließwinkel-Meßgerät.

    https://www.ebay.at/itm/Bosch-…82d009:g:AToAAOSwhnZc2rJS


    Zur Praxis:

    Kalkuliere ruhig beim ersten Mal eine Arbeitzeit von einer Stunde ein, das ist etwas Fummelei. Sorge für ausreichende Beleuchtung, damit Du nicht versehentlich eine falsche Schraube löst und alles wieder ungewollt verstellst. Nicht lachen, ist sicher jedem schon passiert, auch wenn es keiner zugibt :)

    Beim 1000S wird das vordere Kennzeichen demontiert, dahinter befindet sich ein Loch in der Stoßstange, durch welches die unteren Schrauben im Zündverteiler zu erreichen sind.

    Zunächst wird der Kontaktabstand eingestellt. Bei gebrauchten Kontakten bildet sich eine kleine Spitze auf dem einen und eine Vertiefung auf dem anderen Kontakt, so dass die Fühlerblattlehre nicht mehr exakt misst. Das ist der Grund für den Einsatz eines Schließwinkel Meßgerätes.

    Wenn Kontaktabstand bzw. Schließwinkel stimmen, bringe die Grundplatte durch Lösen der beiden Schlitzschrauben außen in Mittelstellung.

    Dann geht es los mit dem 2. Zylinder, gefolgt von den beiden anderen. Nach Einstellung aller 3 Zündkontakte solltest Du alles noch einmal kontrollieren.

    Damit Du lange Freude an dem dann hoffentlich perfekten Motorlauf hast, gehört vor die Pertinaxnocken der drei Kontakte eine kleine Menge Heißlagerfett bzw. das berühmte Bosch FT1V4, welches aber leider nicht mehr in kleinen Mengen erhältlich ist. Ebenso schadet ein Tropfen Öl auf den Schmierfilz der Welle nicht. Addinol hat da wieder was im Angebot: https://www.ost2rad.de/MZ-Ersa…nterbrecheroel--12ml.html

    Zum Schluss achte noch einmal auf die Verlegung der 3 Kabel von der Kontaktplatte zu den Spulen. Sie werden mittels eines Blechstreifens geführt, dieser hat in der Durchführungsöffnung einen Kantenschutzring aus Gummi und ist wichtig, damit die Kabel nicht mit dem Keilriemen in Berührung kommen.

    Wenn alles korrekt eingestellt ist, kann man Markierungen auf der Keilriemenscheibe anbringen, die eine spätere Kontrolle mit Prüflampe oder Blitzlicht erleichtern.


    Zusatzarbeiten:

    An die Kondensatoren kommt man nur nach Abnehmen des Zündplattengehäuses, das ist mit 3 Schrauben am Motorblock befestigt. Wenn diese in Ordnung sind, auf jeden Fall belassen, es gibt keine besseren mehr als die alten Originale. Baulich einigermaßen passende gibt es neu noch bei Fiat (für den Fiat 126). Man sieht dann auch den Pertinaxnocken zum Antrieb des Verteilers sowie das Fliehgewicht zur drehzahlabhängigen Zündverstellung. Dieses sollte auf seiner Welle nicht ausgeschlagen sein, ansonsten ist es zu erneuern. Die Verstellcharakteristik wird durch eine kalibrierte Feder gewährleistet, welche farbig gekennzeichnet sind.

  • Hallo zusammen,


    an alle meinen herzlichen Dank für die vielfältigen Tipps und Hinweise. Ich weiß es sehr zu schätzen. Dadurch ist manches aus den WHBs klarer geworden. Im Nachhinein ist es wahrscheinlich einfacher, als es sich vorher las.


    Einen guten Start in die Woche,

    Gruß Achim

  • Hallo zusammen,


    habe alle drei Kontakte ausgetauscht und er läuft wieder ohne Fehlzündungen, ohne Pötschgeräusche, Leistung wieder voll da 👍🏼.


    Trotzdem habe ich noch den Zündzeitpunkt gemäss Anleitung zu prüfen versucht. Es fällt auf, dass ohne Ausrücken des Fliehgewichts die Prüflampe am 2. Kontakt immer brennt, egal ob Früh/ oder Späteinstellung, mit oder ohne Ausrücken.


    Da erbitte ich nochmals Eure Hilfe, welche Ursache das haben könnte.


    Ich danke im Voraus für die hilfreichen Antworten.


    Gruß Achim

  • Hallo ,

    wie Alois schon geschrieben hat, ist ein einwandfreier Lauf des Motors nicht möglich, da dein Motor nur mit zwei Zylindern läuft. Der zweite Zylinder hat, wie in diesem Fall , wenn die Prüflampe dauernd brennt keine Zündung.

    Ursache Nr. 1 kann sein, dass der neue Kontakt eine Schutzschicht aus ÖL oder anderer Belag hat. Abhilfe hier ganz einfach, einen Streifen aus Polierleinen beidseitig der Kontaktflächen durchziehen und die beiden Flächen haben sofort Kontakt.

    Ursache Nr. 2 kann sein, dass der eingestellte Kontaktabstand einfach zu groß ist und somit keine Kontaktmöglichkeit besteht.(richtig ist 0,4mm)

    Also überprüfen und korrigieren, dann geht es. Natürlich fängt man mit dem 2. Zylinder an u. dann 3 oder 1, man merkt also schon vorher, dass hier etwas nicht stimmen kann und macht nicht weiter.

    Selbst die Einschätzung, dass der Motor mit voller Leistung läuft, lässt mich doch etwas zweifeln. Ein Zweitakter mit nur zwei Zylindern hat keine Leistung u. Laufkultur.

    Gutes Gelingen


    Manfred