Kopie eines Fahrzeugbriefs benötigt

  • Hallo,

    da es derzeit zu kalt in der Garage zum basteln ist, sind wir derzeit dabei alles notwendige für eine TÜV Vorlage und Zulassung vorzubereiten. Da wir keine Papiere für unseren IFA F8 Kombi haben, müssen wir für die Kiste eine Vollabnahme machen lassen.

    Dafür benötigen wir unter anderem (laut TÜV Mensch) eine Kopie eines identischen Fahrzeuges. Wir haben eine IFA F8 Kombi Baujahr 1955 (Bilder und Aufbaudoku hier). Es wäre schön, wenn ein Besitzer eines Kombis uns da weiter helfen könnte.


    Eine weitere Frage haben wir auch noch. Wo kann man ein neues Typenschild für den F8 anfertigen lassen? Und sind da noch weitere Schilder an der Spritzwand notwendig?


    Danke und Gruß,

    Max

  • Guten Tag,

    natürlich kann man für eine Vollabnahme eine Kopie eines Fahrzeugbriefes (heute besser: Zulassungsbescheinigung Teil 1, weil in der Zulassungsbescheinigung Teil 2 ("neuer" Fahrzeugbrief) kaum mehr als die Fahrgestellnummer und der Hersteller angegeben sind) als Vorlage verwenden. Eine Kopie gilt in "Abnahmekreisen" immer als eine sehr unsichere Datenquelle (Manipulationsgefahr!) Die Gefahr dabei ist immer, daß dann fehlerhafte Angaben einfach weitergeschrieben werden. Ich würde vorschlagen, mal sehr konkret im Vorfeld den Vollsachverständigen fragen, welche Unterlagen er konkret für die Vollabnahme benötigt (z.B. technische Daten aus der Reparaturanleitung, Wiegekarte zur Festlegung des Leergewichtes etc.) und welche vor Ort bestimmt werden können (z.B. Länge/Breite/Höhe, Stand- und Fahrgeräusch). Ansonsten sind die originalen KTA-Typenblätter sowohl beim TÜV wie auch bei der DEKRA als Arbeitsunterlage im Rechner des aaS vorhanden - man muß nur manchmal etwas wühlen. Für "Außenstehende" ist die "DEKRA Automobil GmbH, Technology Center, 01998 Klettwitz" der Ansprechpartner, denn dort werden alle Datensätze des ehemaligen KTA´s der DDR verwaltet.

    Konkret sind hier zwei ABE´s des damaligen Kraftfahrtechnischen Amtes der DDR interessant:

    Die KTA-Genehmigung Nr. 2 vom 31.12.1949 beschreibt die F8-Limousine (auch die Cabrio-Limousine) und die KTA-Genehm. Nr. 28 vom 7. Juni 1951 das Kombinationskraftfahrzeug (Umschrift des Dienstsiegels: "Landesleitung der Techn. Prüf- u. Schätzstellen für den Kraftfahrzeugverkehr in Sachsen an der Techn. Hochschule Dresden"). Der wesentliche Unterschied ist, daß beim Kombi das LKW-Fahrgestell beschrieben ist: Der LKW hat die "kurze" Übersetzung zwischen Getriebe und Differential (ergibt eine Höchstgeschwindigkeit von 75 km/h), die "breitere" Bereifung von 5.25 - 16 (höhere Tragfähigkeit!) vorn und hinten und eine etwas höhere Hinterachslast.

    Die heute noch laufenden Fahrzeuge haben in der Regel die "normale" Limousinen-Übersetzung, die dann für die übliche 85 km/h Höchstgeschwindigkeit "gut" ist mit der Standardbereifung 5.00 - 16. Persönlich bin ich auch der Ansicht, daß beim Kombi in den wenigsten Fällen ein "LKW"-Fahrgestell damals verbaut wurde. Es wurden wahrscheinlich kaum welche hergestellt. In der DDR war die Bereifung 5.25-16 eine sehr exotische Größe.

    Ansonsten hier die technischen Daten aus der KTA-Genehmigung Nr. 28:

    Hersteller: VEB Kraftfahrzeugwerk AUDI Zwickau

    Typ: F8

    Motorleistung bei Drehzahl: 20 PS (15 kW) bei 3500 U/min (es werden auch 3600 U/min angegeben in anderen Quellen)

    Hubraum: 690 ccm

    zul. Gesamtgewicht: 1290 kg

    zul. Achslasten Achse 1/ Achse 2: 470/820 kg (fraglich, da schlecht lesbar)

    Leergewicht: 860 kg (Wiegekarte zur Feststellung des tatsächlichen Gewichtes erforderlich)

    Länge/Breite/Höhe: 4100/1480/1570 mm (Nachmessen erforderlich)

    Sitze: 4

    Bereifung: s.o.

    Höchstgeschwindigkeit: s.o.


    Stichwort "Typenschild":

    Gemäß § 59 (1) StVZO hat das Fabrikschild folgende Angaben zu enthalten:

    Hersteller, Fahrzeugtyp, zul. Gesamtmasse, zul. Achslast Achse 1/ Achse 2, Baujahr.

    Es ist im vorderen Teil des Fahrzeuges auf der rechten Seite gut lesbar und dauerhaft anzubringen. Weitere Schilder oder Plaketten (Hersteller der Karosserie, Karosserienummer, Qualitätsgüte o.ä.) können vorhanden sein, sind aber nicht vorgeschrieben.

    "dauerhaft angebracht": Hier: an Spritzwand anschrauben oder annageln.

    Bezugsquellen für Typenschilder:

    a) Neues Blanko-Schild im Kfz-Handel kaufen und selber beschriften (einschlagen oder gravieren). Sieht aber gar nicht schön aus.

    b) Ich habe meins bei einem Anbieter in einem großen Internet-Auktionshandel (die "Bucht") mit meinen Angaben fertigen lassen. Ist auch nicht original, sieht aber wesentlich besser aus und wirkt etwas altertümlicher.


    Stichwort "Elektrik":

    Ich empfehle, die Beiträge zu dem Post "Welche Beleuchtung ist notwendig für Vollabnahme" in diesem Forum zu studieren. Dort wird das Wesentliche gesagt. Trotzdem noch eine Anmerkung dazu: Für Fahrzeuge mit einer Erstzulassung nach dem 1. April 1938 (z.B. Einführung der 2. Schlußleuchte und der blauen Kontrollleuchte für das Fernlicht) ist die getrennte Absicherung der linken und rechten Seite der Schlußleuchten und der Begrenzungsleuchten erforderlich. Es wäre doch schade, wenn bei einem Kurzschluß hinten die komplette rückwärtige Beleuchtung auf einmal ausfallen würde und das eigene Fahrzeug plötzlich "unsichtbar" würde bei Nacht - aber wer fährt schon heute mit so einem Fahrzeug freiwillig bei Dunkelheit.


    Mit freundlichem Gruß

    Frank