IFA F8 Lenkung überholen, Frage dazu

  • über den Winter bin ich dabei, einiges an meinem IFA F8 Cabrio Bj. 1955 zu überholen.

    Alle Bremsbeläge habe ich erneuern lassen, Schwenklager überholt, neue Kupplungsbeläge, neue Kette, und sämtliche Lager und Simmerringe in Getriebe und Radnaben erneuert.

    Dazu natürlich neue Gummimanschetten.


    Momentan bin ich am überholen der Lenkung die mit der Zeit mehr Spiel bekommen hat und nach dem Nachstellen einen schweren Punkt hatte. Dazu habe ich das Lenkgetriebe ausgebaut, was eine Heidenarbeit ist. Denn es muss mit ziemlichem Aufwand die Kühlerverkleidung abgebaut werden. Das Wort "Servicefreundlichkeit" kannte man damals noch nicht.


    Jetzt liegt also das Lenkgetriebe vor mir. Ich habe noch eine originale Zahnstange aus DDR Lagerbestand, da ist sogar noch der Schutzlack drauf. Neue Spurstangenköpfe kommen schwenklagerseitig auch noch dran.


    Meine Frage:

    wie stelle ich im ausgebauten Zustand des Lenkgetriebes das Ritzel so ein, dass bei der Endmontage das Lenkrad bei Geradeausfahrt waagrecht steht?

    Das Ritzel kann ja in jeder beliebigen Position in die Zahnstange eingreifen. Es müssen aber die Bohrungen für das Lenkrohr in einer definierten Position stehen.


    Oder das Ritzel erst zusammen mit dem Lenkrad/Lenkrohr einstecken?


    Im Reparaturbuch steht dazu leider nichts. Habt ihr da einen Trick?


    Für Tipps bin ich immer dankbar.


    Grüssle aus dem Ländle

    Rudi

  • Guten Tag. Die Montage des Lenkgetriebes ist im P70 Reparaturhandbuch ausführlich beschrieben, auch die dazugehörige Geradestellung des Lenkrades. Nach meiner Erinnerung muss die Zahnstange 38mm aus dem Gehäuse ragen bevor das Ritzel mit waagerechter Bohrung der Lenksäule montiert wird. Ich hoffe mich richtig erinnert zu haben und verbleibe mit Gruß der Eumel.

  • hallo Eumel

    und danke für Deine Antwort. Das Reparaturbuch für den P70 habe ich auch. Allerdings geht es hier um einen F8. Und da wurde die Lenkung etwas anders konstruiert und die einzelnen Komponenten (Zahnstange, Lenkhebel) sind unterschiedlich.


    So geht beim F8 der Ritzelschaft direkt in das Lenkrohr und wird dort mittels 2 konischen Bolzen verschraubt. Und eben diese beiden Bolzen bestimmen die Stellung des Lenkrades. Die Zwischenscheibe wie beim F70 gibt es hier nicht.

    Und im F8 Reparaturbuch wird die Montage leider nicht so ausführlich beschrieben.


    Deshalb stelle ich meine Anfangsfrage nochmals.


    Rudi

  • Hallo Rudi,


    das Ritzel läßt sich vom Prinzip her nach Lösen der zwei Schrauben vom Flansch mit der Exenterbuchse (Einstellen des Zahnflankenspiels) nach hinten herausziehen. Also müßte es theoretisch möglich sein, die Lenkung (Gehäuse, Zahnstange, Spurstangen, Vorderachse; Grobeinstellung der Vorspur) ins Fahrzeug zu montieren und dann anschließend das Ritzel in passender Stellung hinzuzufügen. In der Praxis wird das aber sehr spannend, weil man an die beiden kleinen Flanschschrauben nicht so recht herankommt im eingebauten Zustand. Vielleicht hilft der Gedankengang dennoch weiter.


    Mit freundlichem Gruß

    Frank

  • hallo Frank,


    klar, jeder Gedankengang ist hilfreich.


    So wie Du es beschreibst scheint mir auch der einzig mögliche Weg zu sein. Somit ist aber eine endgültige Einstellung VOR dem Einbau nicht machbar.


    An die beiden Flanschschrauben kommt man ja noch einigermassen gut hin. Problematisch ist im eingebauten Zustand allerdings die Einstellung der Exzenterbuchse. Da kommt man nicht so einfach hin. Evtl. einen "Spezialschlüssel" mit SW 30 anfertigen.

    Wie ich schon schrieb zum Thema : "Servicefreundlichkeit"


    Also vor dem Einbau des kompletten Lenkgetriebes auf dem Werktisch die optimale Position des Exzenters ermitteln und markieren.


    Gruss

    Rudi

  • Hallo zusammen

    ich verstehe nur "Bahnhof"..........mein vor 45 Jahren vom Lehrlingsgeld erworbenen 55er F8 Cabrio will ich auch wieder zum Leben erwecken....... muss das bei mir also auch machen........welches sind denn die Flanschschrauben und wo brauch ich einen 30er Schlüssel?

    Könnt ihr mal Bilder machen? Bei mir ist noch alles frei zugänglich,also die Schnauze ist komplett ab!

    Mann will ja keine Fehler machen.

    Einstellung der Vorspur dachte ich macht man an den Spurstangenköpfen.....pasted-from-clipboard.jpg


    Gruß vom Leidensgenossen

  • niemand redet hier von der Einstellung der Vorspur.

    Die beiden Flanschschrauben und die Exzenterbuchse mit SW 30 siehst Du im Reparaturbuch und in der Ersatzteilliste.


    Das Foto hast Du von der falschen Seite aus gemacht, da ist die Lenkung nicht zu sehen. Mach mal ein Bild mit Blick auf das Lenkgetriebe.


    Gruss

    Rudi

  • hi Rudi,


    das Foto stammt von den Anfängen der Restaurierung........da war das alte Lenkgetriebe mit ordentlich Spiel noch drin.....mach morgen mal ein Foto.......ein Handbuch hab ich (noch) nicht.......

    Ansonsten ist an dem Ding ja nicht mehr als ALLES dahin.......da erzähl ich aber einem "Fortgeschrittenem" sicher nichts neues!!!

    Also viel Arbeit..... da braucht man Geduld und Spucke.....vor allem eine Bandsäge.......Holzelektroden gibts ja leider noch nicht!


    Gruß vom Eismann

  • Zitat: "die Lenkung (Gehäuse, Zahnstange, Spurstangen, Vorderachse; Grobeinstellung der Vorspur) ins Fahrzeug zu montieren und dann anschließend das Ritzel in passender Stellung hinzuzufügen."

    Die Lenkung ohne Ritzel einbauen, Spur einstellen, beide Vorderräder auf geradeaus stellen und dann das Ritzel mit dem Lenkrohr und dem Lenkrad in gewünschter Stellung in das Lenkgetriebe einführen. Die Exenterbuchse kann dann bei hochgebockten Vorderrädern bei hin und herdrehen des Lenkrades so eingestellt werden, daß alles mit minimalen von links eingeschlagen zu rechts eingeschlagen mit minimalem Spiel geht. Da die Exenterbuchse ja keinen 6 Kant hat, kann die auch mit einer Wasserpumpnzange feinfühlig gedreht werden, solange die Brille (der Flansch über der

    Exenterbuchse mit den 2 6er Schrauben) noch locker ist. Da kommt man unter dem Kühler doch gut mit der Zange dran. Exenterbuchse nach rechts gedreht geht das Spiel auf Null nach links kann mehr Spiel gegeben werden. Immer wieder die Lenkung von Anschlag li bis re drehen und mit der Exenterbuchse den besten Zustand probieren. Es darf auch nicht die Einstellung des Axialspiel des Ritzel danach vergessen werden. Hierzu muß die Zahnstange aus der Mittelstellung herausgedreht werden um das nötige Feingefühl für die Einstellung für die Einstellung des Axialspiels zu erhalten (siehe Reparaturhandbuch für Personenkraftwagen Trabant 601). Dazu ist die Schraube mit Kontermutter am Lenkstockgetriebe von vorne hinter der Kühlermaske da. Wenn alles gut und in der Geradeausstellung mit minimalem Spiel am Lenkrad geht (eine Hand breit Spiel am Lenkradkranz in Mittelstellung ist bei Zahnstangenlenkungen tolerabel), die 2 6er Schrauben an der Brille über der Exenterbuche mäßig fest schrauben. nun sollte die Lenkung gut gehen und die Speichen vom Lenkrad in der gewünschten Stellung bei Geradeausfahrt stehen.

    Viel Erfolg Beim Lenkung einstellen und

    Euch allen ein gutes gesundes neues Jahr mit vielen gelungenen Oldtimertrffen

    wünscht

  • Zitat: " Wenn alles gut und in der Geradeausstellung mit minimalem Spiel am Lenkrad geht (eine Hand breit Spiel am Lenkradkranz in Mittelstellung ist bei Zahnstangenlenkungen tolerabel), "

    Super erklärt DKW-Fan aber

    du meinst sicher einen Finger breit Spiel am Lenkradkranz 8).


    Grüsse F8ter

  • Guten Tag,

    eine Bemerkung zur Exenterbuchse: Das gute Stück ist aus Aluminium gefertigt. Das Ansetzen einer Wasserpumpenzange oder eines Maulschlüssels sollte wirklich SEHR feinfühlig geschehen, weil im schlimmsten Fall die Angriffsfläche zu Bruch geht. Ich selbst habe in meinem Fundus zwei Exenterbuchsen, bei denen diese Stelle stark beschädigt ist. Das habe ich diesmal zwar nicht selbst produziert, weil diese damals bei einem Karton voll Teilen mit dabei waren, aber jetzt habe ich eine Vorstellung davon, warum die so aussehen.


    Mit freundlichem Gruß

    Frank

  • Entschuldigung, war ein Tippfehler. Natürlich heißt das Teil Exzenterbuchse.

    Korrekt ist es in der Ersatzteilliste von 1962 für den P70 und den F8 auf der Seite F61/62 die Nr. 6 mit der Bezeichnung "Lagerbuchse".


    Mit freundlichem Gruß

    Frank

  • danke für die erhaltenen Tipps, vor allem an "Das DKW-Club-Mitglied-127"


    Ich wollte die Lenkung möglichst "auf der Werkbank" komplett eingestellt und einbaufertig montieren. Inzwischen ist aber klar, dass die waagrechte Stellung des Lenkrades nur bei nachträglichem Einbau des in das Lenkrohr eingesetzten Ritzels möglich ist, so wie "Das DKW-Club-Mitglied-127" (nach meiner Mitgliederliste ist das wohl Johannes Koll) es ausführlich beschreibt.


    Die Spureinstellung werde ich wohl nicht neu vornehmen, sodern bei der Erneuerung der beiden äusseren Köpfe mich an die Anzahl der Gewindegänge halten und hoffen, dass die Spur somit wieder stimmt. Oder spricht was dagegen?


    Grüssle aus dem Ländle

    Rudi

  • "Wo zum Teufel ist hier eine Exzenterbuchse?"

    (ist die Führungsbuchse um die Welle, auf der das Ritzel sitzt, das in die Zahnstange eingreift), also die Buchse mit der das Ritzel in das Lenkgehäuse gesteckt wird und die dann mit den 2 Stück M6er 6Kantschrauben SW 10 durch die Brille fest geschraubt wird. Auch eine Exzenterbuchse mit gebrochenem Bund kann noch ihre Dienste tun, wie an meinem F8 Cabrio in den 1980iger Jahren. Wichtig ist nur, daß sie von der Druckscheibe (Brille) in ihrer Lage fest gehalten wird.

    "Super erklärt DKW-Fan aber du meinst sicher einen Finger breit Spiel am Lenkradkranz"

    Jede Lenkung hat eine toten Gang. Das heißt, jedes Lenkrad bewegt sich nach rechts oder links um einen gewissen Winkel bevor die Lenkung wirksam wird. Das ist normal. Je verschlissener das Sytem ist, desdo größer der tote Gang (das Spiel am Lenkradkranz). Bei "schnellen Fahrzeugen", wie unserem F8 darf der tote Gang (das Lenkradspiel) 20 Grad am Lenkradkranz nicht überschreiten. Faustregel im "Lehrbuch für Fachkunde Kraftfahrzeughandwerker: Etwa Handbreite". Soweit klar?

    Rudi, ich würde die Spur nach jedem Eingriff in das Lenktrapez neu einstellen. Gewindezählen ist nicht genau genug, weil es nach meiner Erfahrung bei Zahstangenlenkungen (habe viele Trabantlenkungen und Kugelköpfe gewechselt) zu große Abeichungen gibt (abweichende Dicke des Sicherungsblechs, was jedes Mal neu eingebaut werden muß, neuer Kugelkopf mit kleinen Maßabweichunge, alles schon erlebt). Wenn Du kein Spurmaß hast, schicke ich Dir ein Foto von meiner einfachen Ausführung, die Dein Dorfschmied Dir zusammenschweißen kann.

    Grüße von Johannes

  • allo Johannes,


    Dein Angebot nehme ich natürlich gerne an. Ich habe mir vor Jahren mal mit einer zusammengenagelten Dachlatte beholfen. Aber bin immer offen für bessere Ideen und lerne immer gerne aus den Erfahrungen und Kenntnissen der "alten Hasen".:)

    Schicke das Foto bitte an meine Mailadresse: jazzoldie@t-online.de


    Schon mal vielen Dank dafür.


    Grüssle

    Rudi

  • Hallo Eismann,


    wenn du das Halteblech mit den beiden Schrauben auf dem zweiten Bild abschraubst, sollte darunter die Buchse zum Vorschein kommen.


    Gruß Jens

  • Jede Lenkung hat eine toten Gang. Das heißt, jedes Lenkrad bewegt sich nach rechts oder links um einen gewissen Winkel bevor die Lenkung wirksam wird. Das ist normal. Je verschlissener das Sytem ist, desdo größer der tote Gang (das Spiel am Lenkradkranz). Bei "schnellen Fahrzeugen", wie unserem F8 darf der tote Gang (das Lenkradspiel) 20 Grad am Lenkradkranz nicht überschreiten. Faustregel im "Lehrbuch für Fachkunde Kraftfahrzeughandwerker: Etwa Handbreite". Soweit klar?

    MMn. darf/sollte das Spiel zwei Finger breit nicht überschreiten. Besser weniger als ein Finger (gilt für die Zahnstangenlenkung ab F8). Sonst verschleißt das Stirnrad, weil es im wahrsten Sinne ausschlägt. Man kann das Spiel mithilfe der Exzenterbuchse tatsächlich auf beinahe Null justieren, wenn die Lenkung gut eingefahren ist (und das Ritzel noch nicht zuviel Verschleiß hat). Bei mir habe ich ca. eine Finger breit, und die Lenkung geht völlig allein zurück und fühlt sich leichtgängig an. Wenn ich das Spiel aber weiter verringere, merke ich, wie Druckpunkte entstehen und die Lenkung schwer wird. Bei mir hat das aktuelle Ritzel allerdings auch schon einen erkennbaren Verschleiß.

    Bei einer Schraubenlenkung oder Kugelumlauflenkung ist ein größeres Spiel hingegen durchaus hinnehmbar und teils auch überhaupt nicht vermeidbar (beim Front bis zum F7).


    PS: Mit Spiel meine ich den Totgang am Lenkradkranz, bis der Lenkstock sich erkennbar bewegt. Natürlich schlucken die Spurstangenköpfe und ggf. Silentbuchsen ein bisschen Bewegung, bis sich das Rad merklich dreht - das vergrößert die tatsächliche Lenkbewegung nochmals ein bisschen, bis sich was tut.