Kupplungsgeräusch Trockenkupplung

  • Hallo,

    ich habe nun einige wenige Fahrten seit Motor- und Getriebewechsel hinter mich gebracht. Leider gab die verschiedensten Problemchen. Bei einer Auffälligkeit konnte ich mir bisher keinen Reim drauf machen. Es passiert nur beim Anfahren, dass es beim Auskuppeln ein lautest quietschend, kreischendes Geräusch gibt. Beim Gangwechsel während der Fahrt tritt es nicht auf.

    Kann das Ausrücklager so ein Geräusch machen? Beim Zusammenbau habe ich ein neues Trabant-Ausrücklager eingebaut, da der Graphitring beim alten Lager schon ziemlich niedrig war und der neue nun doppelt so hoch ist. Bei mir ist die Trabant-Lamellen-Feder verbaut. Auf dieser sitzt ja auch der Ring, gegen den das Ausrücklager drückt. Kann der sich vielleicht auf der Feder drehen und so ein Geräusch erzeugen? Danke für jeden Hinweis.

    Gruß Jens

  • Guten Tag,


    a) Das Geräusch tritt beim Anfahren auf, wenn AUSgekuppelt wird?!? Ich vermute eher, daß es beim Einkuppeln auftritt, wenn zwischen den Kupplungsbelägen und den Stahlscheiben noch Gleitreibung auftritt.

    Es kann sein, daß die Beläge schon etwas hart geworden sind (Alterung) und die Eigendämpfung des Belages abgenommen hat. Jede Oberfläche hat ihre Rauhigkeiten. Bei Gleitreibung kurz vor dem vollständigen Schließen der Kupplung (Fuß vom Pedal) kann das zu diesem häßlichen Geräusch kommen. Die Gegenprobe wäre, die Kupplung beim Hochschalten vom 1. in den 2. Gang etwas schleifen zu lassen - es müßte dann auch etwas ungesund klingen. Ich kenne das Geräusch aus heutigen Fahrzeugen, bei denen die Kupplung kurz vor dem Ende ist oder verglast ist (schleifende Kupplung im Fahrschulbetrieb!). Da ist es eher ein Bedienungsfehler, weil oft schon Gas gegeben wird, bevor der Fuß vollständig vom Kupplungspedal genommen wurde.

    b) Den Graphitring würde ich als Ursache ausschließen: Der ist ja gerade deswegen aus Graphit, damit bei Trockenreibung, was an dieser Stelle gewollt ist, eine gewisse Schmierung vorhanden ist (Eigenschaft von Graphit!)


    Liebe Grüße,

    Frank

  • Hallo Frank,

    vielen Dank. Ja es ist das Einkuppeln beim Anfahren. Die Sachen habe ich ja erst kürzlich zusammengebaut und bin seitdem nur wenige Kilometer gefahren. Die Belege waren nicht verglast und noch ausreichend dick. Deshalb ging meine Vermutung auch auf den den Ring auf der Tellerfeder, an dem der Graphitring anliegt. Kann es sein, dass dieser sich unter Kraft dreht?

    Durch das Zwischenkuppeln sind die Kraftverhältnisse in den anderen Gängen ja nicht vergleichbar und die Kupplung schleift kaum.

    Gruß Jens

  • Hallo Jens,


    der Ring auf der Tellerfeder ist mit dem Kupplungsautomaten vernietet bzw. so befestigt, daß er sich nicht verdreht. Sollte das Verdrehen konstruktiv beabsichtigt sein, dann muß er auch eine Zentrierung haben - und die hat er nicht.

    Zu der Bemerkung von Ulf:

    Im Original gehört da der alte 3-Hebel-Automat hinein, der auch in Trabant P50 und P60 verbaut wurde. Die Kupplungswelle ist von der Verzahnung her identisch mit derjenigen, die bis zuletzt im Trabant mit dem Zweitakt-Motor verbaut wurde. Diese Lösung hat durchaus "Charme", da so ohne weiteres selbst im P50 der zuletzt verbaute Kupplungsautomat mit der Bandmitnahme und der gefederten Kupplungsscheibe verbaut werden konnte. Feintuning oder Upgrading á la DDR. Und hier beginnt es interessant zu werden bezüglich der Trockenkupplung im F8 bzw. P70: Bei den alten "originalen" ungefederten Kupplungsscheiben ist die Nabe für die Kupplungswelle etwas schmaler ausgeführt als bei den gefederten Kupplungsscheiben. Es ist erforderlich, durch z.B. Abfeilen die Dicke auf das Maß der ungefederten zu bringen. Warum weiß ich das? Ich habe selbst eine komplette Trockenkupplung im Regal liegen, die ich sogar auch am Anfang im F8 eingebaut hatte - bis aus der Trockenkupplung eine Naßkupplung wurde, weil der große Simmerring undicht war. Den Motor zu ziehen gemäß Werkstatthandbuch war ein Akt für sich: Seitdem besitzt meine Garage einen kleinen Galgen am Giebel, an den ich eine kleine elektrische Seilwinde aus dem Baumarkt befestigen kann. Da durch die Trockenkupplung auch noch der Antriebsblock auf der linken Seite erheblich breiter ist, mußte ich auch noch die Lenksäule lösen und in den Fahrgastraum schieben. Anders hätte ich das nicht herausbekommen. Jedenfalls hatte ich vorher beim Einbau eine Nabe in der beschriebenen Weise nachgearbeitet. Wenn ich mich recht erinnere, hat die gefederte Kupplungsscheibe nicht gepaßt (hier werden ja zwei Stück gebraucht), weil dann alles zu "dick" geworden wäre. Geschaltet und getrennt hat das alles prächtig, bis - nun ja, siehe oben. Seitdem ist wieder die Naßkupplung drin, welche nicht ganz so gut arbeitet.

    Von daher ist die Bemerkung von Ulf berechtigt. Wenn dem so ist, dann sollten sich auch paar Schleifspuren finden lassen.


    So, in den Keller gegangen und gerade nachgemessen: Es sind bei mir ungefederte Kupplungsscheiben eines sehr frühen Trabant-Baujahres verbaut. Die originale Nabendicke beträgt 16,5 mm. Bei der anderen Scheibe hatte ich die Nabe auf 11 mm heruntergefeilt.


    Liebe Grüße,


    Frank

  • Hallo,

    vielen Dank euch. Ich habe tatsächlich die Tellerfeder anstelle des alten Automaten verbaut. Die hatte ich aber schon beim alten Motor drinnen und da hat es funktioniert. Die Reibscheiben sind teils original und teils Trabant mit gekürzer Nabe. Wahrscheinlich ist es wirklich das Beste, die Teile nochmals auszubauen und nach Spuren zu schauen. Zum Glück geht das beim P70 bei eingebautem Motor.

    Gruß Jens