Neuvorstellung, DKW 200 RT

  • Hallo Zusammen,


    hab mich in ein solches Motorrad von Bj 54 verguckt. Mein Schrauberhallennachbar hat eine Solche, aber zuviel andere Projekte, so dass er sie verkaufen will. Ich selbst gehe schwer auf die 60 zu, bin früher viel Motorrad (meist Enduros) gefahren, und kann mir mittlerweile auch gut vorstellen, mit so einem Oldi entspannte kleine Touren zu machen.


    Sie ist teilzerlegt, aber vollständig. Sieht vom Lack her so gut und original aus, dass ich an der Optik nichts machen will.


    Schrauberfahrungen hab ich reichlich, Werkzeug etc. bin ich auch gut ausgerüstet.


    Nach Allem was ich höre, ist das Modell überschaubar und hat ne gute Ersatzteillage, gibts vielleicht noch ein paar Besonderheiten, die ich beachten soll?


    Er möchte 800 Euro, erscheint mir doch recht günstig?


    Liebe Grüße von Jo, der vermutlich bald öfters hier vorbei schaut :)

  • Guten Abend Joachim,

    Bei 800 € gibt es nichts zu überlegen! Wichtig ist, daß die Blechteile (Tank, Schutzbleche, Ketten- und Werkzeugkasten) alle da sind, die gehen sehr ins Geld, wenn nicht. Die Verschleißteile gibt's alle beim Greiner, Lager und Simmeringe sind durchweg Normteile und gut zu bekommen. Ich rate auch zum Umbau auf 12 V mit der Vape-Anlage, da die Original DKW bzw. Siba Regler echt störanfällig sind. Ich habe eine RT 200/2 mit dem neueren 4 Gang Motor, dem Baujahr nach müßte Deine dann auch so eine sein. Die hat echt Leistung, meine geht locker 100 km/h und macht riesig Freude zu fahren. Wenn Du einen Tank mit Mischeinsatz hast, diesen unbedingt entfernen (sehr unangenehme Fummelei), weil sonst der Zustand innen nicht beurteilt werden kann. Ich lasse meine Tanks von Innen immer bei Walter Witti in Rannungen (Franken) aufarbeiten, dauert leider sehr lange, im Ergebnis aber richtig gut. Falls Du einen Auspuffkrümmer oder Zigarre brauchst, ist DKW Schmitt in Daxberg (mail@dkw-schmitt.de) die beste Adresse. Bremsbacken rate ich, nicht neu zu kaufen, sondern bei Andreas Hanstein, Lindenstrasse, Coswig, aufarbeiten zu lassen.

    Es lohnt sich auf jeden Fall, dieses Modell wieder her zu richten und die Entscheidung, an der Optik nichts zu machen, finde ich gut!


    LG Reinhard

    Reinhard Wiegmann, Bachstrasse 22, 74635 Kupferzell

    Fuhrpark: DKW RT 200/2, MZ RT 125/2, MZ RT 125/3, Hercules 313, NSU LUX, Zündapp DB 203, BMW R80 G/S, Honda Innova

  • So, hab sie gekauft...


    Danke für den Zuspruch. Ich mach dann am WE mal ein paar Bilder.


    Diesen Mischeinsatz im Tank hat sie tatsächlich, das ist ja mal ne coole Sache! Kannte ich nicht, aber die Idee überzeugt. Nur, wie fummelt man den raus? Was ich vom Tank sehen konnte, war recht OK. Ich glaub, da lass ich es mal drauf ankommen. Spritfilter rein, und wenn der immer voller Krümel ist, kann ich den Tank ja immer noch entrosten.


    Sie hat abscheinend 30.000 km auf dem Buckel, und war 1967 das letzte Mal zugelassen.


    Nun kauf ich mal Reifen, die Zündung mit12 Volt-Anlage, und nehm mal den Zylinder ab, zum Gucken.


    Wenn ich da nichts Böses finde, und die Gänge schalten, dann schraub ich einfach erstmal alles Zusammen (mal gucken, wie komplett sie wirklich ist) und fahr ne Runde.


    Lenkkopf und Radlager sind OK, die Gabel arbeitet zumindest, die Federung hinten auch. Bremsen muss ich noch sehen, keine Betätigung montiert...


    Soweit erstmal, ich hab bestimmt bald ne Menge Detailfragen ;-)


    Gruß Jo

  • Falls der Tank rostig ist, ich hab erst vor wenigen Tagen bei meiner Victoria Vicky 3 Bj 54 den Rahmentank entrostet. Ich habe den Rostio Tankentroster verwendet, der Tank ist innen blitzblank. Dazu kann man die Tankemulsion kaufen, mit der der Tank hinterher ausgeschwenkt wird. Ging bei mir nicht, da an dem Rahmentank noch das 40Kg schwere Moped hing. Das Mittel soll den Tank wohl so schützen, dass eine Versiegelung mit Lack o.ä. nicht nötig ist.


    Ich persönlich hab mit Tankversiegelungen leider nicht die besten Erfahrungen gemacht. Die haben sich an zwei Tanks wieder abgelöst.


    schöne Grüße

    Matthias

    AU 1000 Coupé Bj.08.1959

    NSU Ro80 Bj. 1976

    Audi 100 Avant 1,8 Bj 1986

    Audi 100 Avant 2,3 E Bj. 1989

  • Hi Matthias,


    die Emulsion klingt gut, entrosten würde ich mit Zitronensäure. Geht auch sehr gut, und ist spottbillig. Äh, vor Allem liegen in der Firma bei uns ein paar 20 kg-Säcke von dem Zeug rum, um ehrlich zu sein ;-)


    Ich vermute fast, dieses Rostio ist auf Basis von Zitronensäure. Die Anwendung ist exakt gleich.


    Denke auch, mit Zweitaktöl und frischem Sprit bei normalem Gebrauch rostet das dann nicht so schnell wieder... Beschichtung kann ich mir vorstellen, dass die Ärger machen kann.


    Gruß Jo

  • Guten Tag,


    ich habe bei mehreren Tanks genau das gleiche Problem gehabt: Rost und dadurch Dreck im Vergaser. Ich habe allerdings keine Fahrzeuge dabei mit einem Rahmentank - das wäre wirklich eine Herausforderung gewesen. Ich bin dabei folgendermaßen vorgegangen:

    a) Grobreinigung: In den leeren Tank eine kleine Schaufel Rollsplitt von der Straße (ist schön scharfkantig) und das ganze dann längere Zeit schütteln. Geht richtig in die Arme. Oder den Tank nach dem Einwickeln in eine Decke auf oder in einen Betonmischer stecken und kreisen lassen. Dann mit Wasser ausspülen, bis der ganze Staub und Dreck aus dem Tank entfernt sind. Danach in den Heizungskeller gehen und den Tank zum Trocknen auf den Heizkessel legen.

    b) Entfetten: Ich habe den Tank mehrfach mit frischem Azeton als Lösungsmittel ausgespült. Bei richtig altem "ranzigen" Zweittaktöl habe ich den ersten Durchgang mehrere Tage im Tank gelassen und diesen immer mal so gedreht, daß wirklich jede Ecke "unter Azeton gestanden" hat. Hauptsache ist, daß das schmierige Zeug irgendwie angelöst wird. Sollte man tunlichst irgendwo draußen in einem Schuppen machen, da die Suppe, die da herauskommt, einfach nur widerlich stinkt. Dann mehrfach mit frischen Azeton gründlich (!) ausspülen, bis wirklich nichts mehr von dem alten Zeugs drin ist.

    Ich habe dies folgendermaßen kontrolliert: Auf dem Glas eines Taschenspiegels habe ich ein paar Tropfen frisches Azeton verdampfen lassen. Es sollten danach kaum Rückstände erkennbar sein. Das gleiche habe ich als Gegenprobe mit ein paar Tropfen aus der letzten Spülung getan - es sollte ebenfalls kaum noch was zu erkennen sein. Dieser Arbeitsschritt ist sehr gründlich auszuführen, da vom Entfetten der Erfolg der weiteren Arbeitsschritte abhängt.

    c) Entrosten: Ich habe ebenfalls Zitronensäure verwendet. Ich habe sie mir damals aus dem Drogeriemarkt einer größeren Handelskette besorgt. Stichwort: Entkalker für Wasserkocher, Dampfbügeleisen und Kaffeemaschinen. Bis zum Stehkragen die Lösung einfüllen und mehrere Tage stehen lassen bei Zimmertemperatur. Vorsichtig: Das Zeug/die Lösung ist wirklich richtig ätzend! Von der Außenlackierung unbedingt fernhalten!

    Alternativ kann man auch technische Phosphorsäure verwenden. Da hat den Vorteil, daß das Tankblech dann auch gleich phosphatiert ist und die Tankbeschichtung besser haftet.

    Anschließend die Lösung ablassen und mit klarem Wasser gründlich spülen. Tank wieder in den Heizungskeller hängen und gründlich durchtrocknen lassen.

    Hier möchte ich nochmal die Wichtigkeit von Punkt b) betonen: Rückstände von Öl und altem Benzin verhindern, daß der Entroster an den Rost herankommt! Auch nicht mit den Fingern in den Einfüllstutzen greifen, um den Tank lässig baumelnd zu transportieren (Hautfett)!

    d) Tankversiegelung gemäß Herstellervorgabe bei absolut trockenem Tank durchführen.


    Dies ist keine schnelle Methode, die mal so an einem Wochenende abgehakt wird. Chemische Reaktionen brauchen halt ihre Zeit. Ich habe das u.a. bei einem Tank von einer Simson gemacht - und seit 4 Jahren ist Ruhe. Gute 6 Wochen hat die Prozedur gedauert und noch weitere drei Monate, damit der Versiegelungslack richtig ablüften und durchtrocknen konnte.


    Liebe Grüße und viel Erfolg!


    Frank