Beiträge von Johannes_Herold

    Hallo Tom,


    ich habe für meinen F5 von ungefähr zwei Jahren ein ganzes Sammelsurium von Teilen verchromen lassen: 4 Lampenringe, ein Auto-Union-Emblem, mehrere Teile der Sonnenblende, mehrere Teile des Außenspiegels, einen Kühlerverschluss, das Oberteil des Bosch-Horns, 6 Schrauben und die Schaltstange. Dazu noch mehrere Kleinteile gelb verzinken lassen, z.B. die Bremsknebel, die Bremshebel und einige Federn. Das hat alles zusammen ungefähr 1.160 Euro gekostet und war saubere Arbeit. Die Firma heißt Custom Cars & Bikes und die e-Mail-Adresse ist info@ccb-gmbh.com. Telefon 06071 / 5499. Das ist in DIeburg nahe Frankfurt. Bin damals mit meinen Sachen hingefahren, ist von mir nicht so weit. Aber es gibt ja auch noch Paketdienste.


    Es ist tatsächllich viel Arbeit und vor allem dreckige Arbeit und ganz viel Hexenküche, Chemie und Gift. Das heißt, heftige Umweltauflagen und das kostet alles einen Haufen Geld. Im Vergleich mit dem, was ich damals habe machen lassen, kommen mir "über 1.000 Euro" tatsächlich viel vor, aber ich kann es nicht beurteilen. Wenn die Oberfläche arg uneben ist oder rostig, macht es unglaublich viel Arbeit. Ruf doch einfach mal bei Custom Cars & Bikes an, schick Bilder von Deinen Stoßecken hin lass Dich überraschen.


    Gruß
    Johannes
    http://www.dkw-f5.de

    Hallo Herr Kern,


    (kann es sein, dass wir uns kennen? - ich kann den Wohnort nicht zuordnen... Rheinland?) ich habe gerade erst Ihre Frage nach "Desolite" vom April gelesen und auch die sehr ausführlichen Hinweise eines unserer "Zweitaktkollegen" hier im Forum sowie die Frage eines anderen, was ein Diesel-Additiv im Zweitaktbenzin zu suchen hat.


    Ich war von 1984 bis 1990 in einem Autoteile-Handel tätig und erinnere mich, dass wir damals Produkte von AUTOL verkauft haben. Sowohl ganz normales Motorenöl, als auch "Desolite", AUTOL hatte da mehrere Zusätze im Verkaufsprogramm, und der Name "Desolite" ist vielleicht irreführend, hat jedenfalls nicht automatisch was mit "Diesel" zu tun. Wir hatten damals einen Kunden, der eine Oldtimer-Sammlung besaß und regelmäßig zum Winter große Mengen "Desolite K" bestellt hat. Dabei handelte es sich um einen Korrosionsschutz-Zusatz, der zum Einwintern benutzt wurde ("K" stand für "Korrosionsschutz") - ob es das Mittel heute noch gibt, weiß ich nicht. Kann sein.


    Jedenfalls wurde der Zusatz dem Kraftstoff beigemischt (nicht dem Öl) und der Motor (normalerweise 4-Takt, was sonst - wir kommen aus dem Westen) dann nach Anleitung auf der Dose eine bestimmte Zeit warm laufen gelassen. Die Wirkstoffe des Zusatzes haben sich dann im oberen Teil des Motors (also nicht im Schmieröl bzw. dem Kurbelghäuse) ausgewirkt und sollten jeglicher Korrosion oder Versauerung entgegenwirken. Ob es geholfen hat, weiß ich nicht. Aber geschadet hat es sicher auch nicht.


    Allerdings hält sich in einem Hubkolbenmotor an den Laufflächen der Zylinderwände und in den sehr feinen Riefen (und auch anderen Stellen, z.B. Ventilschäften) normalerweise ein dünner Ölfilm, der hydrophob ist, d.h. Wasser zurück weist. Dieses Öl wird im Winter bei Kälte sehr zäh und schützt eine gewisse Zeit lang. Da aber bei einzelnen Zylindern je nach Stellung der Kurbelwelle bei einem Viertaktmotor immer bestimmte Ventile offen sind und das Innere des Motors Verbindung zur "Außenwelt" hat, kann durch Luftdruckänderung (wetterbedingt: Hochdruck - Tiefdruck) mit der Zeit ein Luftaustausch erfolgen und damit auch (Luft-) Feuchtigkeit in den Motor eindringen. Der Motor "atmet". Beim Zweitakter können anstatt der Ventile eben die Fenster der Überström- oder Auspuffkanäle offen sein.


    Obwohl das Öl Wasser verdrängt, droht Gefahr: denn wenn Öl mit Wasser oder Feuchtigkeit in Verbindung kommt, neigt diese Kombination dazu, eine schwache Säure zu bilden, selbst wenn sich das Öl mit dem Wasser nicht direkt mischt. Diese Säure kann Metalloberflächen angreifen, und was das bedeutet, lässt sich denken: Flugrost.


    "Desolite K" soll hier den Korrosionsschutz, der vom Motöröl-Film des Viertakters oder des Zweitakters gewährleistet wird, unterstützen und einer Bildung von Säure entgegen wirken.


    Ob das Sinn macht oder nicht, auch oder speziell beim Zweitakt-Motor, will ich nicht beurteilen. Wenn das Auto in einer wirklich trockenen Garage steht, halte ich es für ziemlich übertrieben. Wenn das Auto aber in einer feuchten Garage oder Halle steht, in der Bremsscheiben oder Werkzeuge Flugrost ansetzen, würde ich einen zusätzlichen Korrosionsschutz "nicht von der Bettkante stoßen". Schaden würde es jedenfalls nicht oder höchstens dem Geldbeutel.


    Ob Öl-Zusätze beim Zweitaktmotor überhaupt sinnvoll sind (also eine Mischung Öl-Benzin-Ölzusatz), unabhängig vom Korrosionsschutz zum Überwintern, kann ich auch nicht beurteilen. 1936 empfahl die Bedienungsanleitung von DKW den Zusatz von "Auto-Kollag". Dieses Präparat gibt es längst nicht mehr. Im Internet konnte ich nur einen alten finnischen Werbe-Prospekt finden, demzufolge es sich um ein Graphit-Präparat gehandelt hat, früher ein gängiger Festschmierstoff (ich kann zwar kein Finnisch, aber viele technische Vokabeln sind Lehnworte aus "unseren" romanischen Sparachen und mit etwas Phantasie einigermaßen zuzuordnen).


    Heute gibt es bessere Festschmierstoffe als Graphit, z.B. Molybdändisulfid und noch ganz andere, die noch viel wirksamer sind.


    Wie wir in dem anderen Forenbeitrag gelesen haben (und auch in alten DKW-Bedienungsanleitungen), wurden früher Einbereichs-Öle (SAE 30, 40 oder 50) als Mischöle verwendet. Das ist heute nicht mehr üblich und meiner Ansicht nach auch nicht mehr sinnvoll. Die zitierte Abhandlung stammt aus den 50er Jahren und war damals bestimmt richtig - aber die Öle von heute sind LIchtjahre weiter. Zweitaktöle von heute sind damit nicht zu vergleichen, und meine persönliche Meinung ist, dass ein modernes Zweitaktöl von heute keiner weiteren Zusätze bedarf.


    Erst Recht, weil unsere alten niedrig verdichteten Motoren mit niedrigen Literleistungen und niedrigen Drehzahlen bei weitem nicht so hohe Anforderungen an das Öl stellen wie heute übliche Hochleistungs-Motoren.


    Gruß
    Johannes

    Ich finde, dass er zumindest auf dem Foto jetzt schon perfekt aussieht. Aber ich weiß schon: es gibt immer irgendwo stellen, die andere nicht unbedingt sehen, die man aber selber kennt und wo man immer hin guckt und weiß: "das muss ich noch machen..." Habe auch solche Stellen.
    Also dann bis nächstes Jahr - in Garitz.

    TT-Maßstab ist aber arg klein... seh ich ohne Brille doch gar nicht mehr. Lasst uns lieber mit dem Maßstab 1:1 spielen. Wenn der Lütte noch zahnt - genieß die Zeit. Anstrengend wird der noch von ganz allein. Ich hatte/habe drei davon, und einer findet alte alte Autos toll...

    Alles muss man selber machen! Und da hier keiner etwas zu meiner F5-Geschichte zu kommentieren hat, mache ich das eben selbst:


    Also: vor einigen Tagen muss mich irgendein historischer Teufel geritten haben. Kurbelwelle und Zylinder sind ja noch neu und verlangen nach Schonung, aber trotzdem: bei den Durchschnittsgeschwindigkeiten sind 600 gefahrene Kilometer ja so viel wie bei einem modernen Auto das Doppelte. Also fast eingefahren. Naja, fast... Also Gas gegeben. Und zwar Vollgas.


    Wer mal mitfahren möchte, der klickt einfach hier: Führerstandsmitfahrt (das ist kein Computerspiel, das ist echt!).


    Und für alle die, denen die Mechanik leid tut: ich mach's nie wieder!


    Euer 2.0-Takt-Jonny

    Und ich bin der dritte.
    Also: den DKW gab es in meinem Leben immer schon - als ich auf Kinderbeinen die Umgebung in immer größeren Kreisen um das Kinderbettchen erkundete, stand ich eines Tages in der Garage vor vier Rädern, die oben mit allerlei Decken verhüllt waren. Unter den Decken ein Auto - wie im Bilderbuch. So mit einzelnen Kotflügeln und einzelnen Lampen drauf und so. Am Abend Vater gefragt... sein erstes Auto. Ein DKW! " -- "Ein was?" -- "DKW!" Ach so. Die sahen aber früher komisch aus! "Später, wenn ich mal Zeit habe, repariere ich den wieder" -- "Aber wozu? Wir fahren doch mit dem anderen Auto..." -- "Das verstehst Du nicht".


    Wir Kinder haben dann in dem alten Ding gespielt - heimlich! Raumschiff Enterprise oder so was. 1988 ist er gestorben, drei Monate nach dem Ruhestand. Mit wieder reparieren war also nix. Mutter war der alte Schinken dann im Weg. Aber wegwerfen wollte sie ihn auch nicht - schließlich hatte sie 1947 auf dem Ding fahren gelernt und es hingen Erinnerungen dran. Ich sollte ihn weg schaffen und reparieren - 1.000 Mark gab's als Vorschuss dazu und den Kfz-Brief. Das Auto habe ich weggeschafft, hatte aber beruflich keine Zeit. Für die 1.000 Mark immerhin schon mal Reifen gekauft. Das war 1995. 1999 lief mir ein Kfz-Meister über den Weg, der Veteranen restauriert. Er nahm ihn mit samt dem Auftrag, ihn zu restaurieren. Visitenkarte ging dann aber irgendwann verloren und der Meister meldete sich nicht mehr. Es vergingen Jahre. Ich hatte keine Hoffnung mehr. Mutter fragte ab und zu nach ihrem DKW, und ich wich aus. Konnte doch nicht sagen, dass ich nicht weiß, wo der alte Wagen steckt. Vor einigen Jahren starb auch sie in hohem Alter.


    Nun fragte niemand mehr, aber an einem Sonntagabend im Februar 2012 klingelte das Telefon, kurz vor dem „Tatort“. Wer das nun wieder sein mochte, so spät. Eine Nummer aus Neuwied. Der Anrufer fragte nach meinem Namen. „Ja, das bin ich!“ – Ob ich mein Auto nicht wieder haben will? Auch das noch: der Wagen von Ganoven vor dem Haus geklaut und nichts gemerkt? „Nein“, sagte der Anrufer, „ich meine Ihren DKW!“ Hurra - der F5 aus dem Jahr 1936, die Reichsklasse mit 18 PS.


    Klar wollte ich den wieder haben, aber wohin damit? Es dauerte einige Zeit, bis die Garage aufgeräumt war, ein Transportanhänger ausgeliehen und ein Termin zum Abholen vereinbart war. Mittlerweile war es Mai geworden, zu Hause angekommen Staunen und Ratlosigkeit: von alten Autos keine Ahnung. Nur von neuen. An meiner Fundsache war nicht oder kaum herum gebastelt worden, nichts zusammen gewürfelt und der Zustand ungewöhnlich gut. Am 10. Juni 1961 war der Wagen in der Eifel als „verschrottet“ abgemeldet worden. Mein Vater hatte ihn im Juli 1939 gekauft, aber viel Spaß kann er damit nicht gehabt haben, denn wenige Wochen später brach der Krieg aus und private Autos mussten schon bald abgemeldet werden. Räder rollten dann nur noch für den vermeintlichen Sieg, nicht für das Privatvergnügen. Ein Auto mit Gänsehaut-Geschichte, aber die haben alle Autos aus dieser Zeit. Nur kennt sie kaum noch jemand.


    Diese Cabrio-Limousine ist Ende Oktober 1936 gebaut worden, wahrscheinlich für das Winterlager. So kam der Kleinwagen erst im Juni 1937 mit dem Kennzeichen IT-106070 in der Provinz Hessen-Nassau auf die Straße.


    Am 31.01.2013 ging es los: was auf mich zu kommen sollte, ahnte ich nicht. Die Restaurierung war stets von der Frage begleitet, wie möglichst viel Original-Substanz erhalten bleiben kann und nur das unbedingt Nötigste erneuert werden muss. Stoßstangen und nachgerüstete Rückleuchten wurden abmontiert, den allseits dringend gegebenen Rat, das alte Kunstleder abzureißen und neu zu beziehen ignorierte ich jedoch trotzig. Überhaupt hieß die oberste Maxime: was unbedingt geändert werden muss, das hat so zu geschehen, dass es ohne Flurschaden wieder rückgängig gemacht werden kann. Einzelne frühere, zeitgenössische Änderungen wie z.B. eine nachgerüstete Fernlichtkontrolle, blieben erhalten. Dass die Winker nicht nur als Statisten am Auto spazieren fahren, sondern noch immer funktionieren – Ehrensache!


    Die Bodenplatte aus Sperrholz hatte Wellen geworfen wie der Rhein zu Füßen der Loreley und verströmte einen recht penetrant gemischten Geruch von Moder und ranzigem Zweitaktöl. Die Riegel und Pfosten aus Buchenholz waren zwar in erstaunlich gutem Zustand, aber an kleinen Stellen doch von Fäulnis befallen, die Eisenschrauben darin gnadenlos fest gerostet. Hier waren vorsichtige Sanierungen nötig, bei denen ein befreundeter Schreinermeister fachgerechte Unterstützung leistete.


    Am 31.01.2015 holte ich den DKW nach Monaten im Kosmetiksalon aus der Lackiererei ab - endlich fertig! Ach ja, eines noch: das Kfz-Kennzeichen, das dem DKW als eines der ersten "bundesrepublikanischen" Kennzeichen nach den Besatzungsnummernschildern 1956 zugeteilt wurde, war noch - oder wieder - zu haben. Also auch das ist "historisch". Letzte Woche habe ich das Nenngeld für Garitz bezahlt. Ich freu' mich drauf.
    http://dkw-f5.de